



Bossa Nova, Samba, MPB .......
Brasilien ist ein Land der Musik. Seinen Reichtum an musikalischen Ausdrucksformen verdankt es der Synthese europäischer, afrikanischer und indianischer Traditionen. Aus dem Zusammenspiel indianischer Rohrflöten, afrikanischer Perkussionsinstrumente und portugiesischer Violen (die Viola ist der Gitarre ähnlich und mit 10-12 Saiten bespannt), aus der Verbindung der portugiesischen Liedkultur und der Rhythmik der afrikanischen Sklaven entwickelte sich eine Musik von außerordentlicher Vielfalt und Schönheit, seien es die klassischen Kompositionen eines Villa-Lobos, die weichen Klänge des Bossa Nova oder die temperamentvolle Samba.
Anfang der 20er Jahre dieses Jahrhunderts kam ein neuer Musikstil auf. Unter der Führung von Heitor Villa-Lobos (1887-1959) verschmolz die neue brasilianische Avantgarde in ihren symphonischen Werken avantgardistische, aus Europa importierte Ausdrucksformen mit Themen und Rhythmen der brasilianischen »Música Popular« und integrierten volkstümliche Musikinstrumente in das klassische Orchester.
Samba
Die Samba mit ihren unverwechselbaren Rhythmen ist für Brasilien die typischste Musik. Ihr genauer Ursprung ist unbekannt. Manche nehmen an, die Samba sei auf den Straßen von Rio entstanden, und zwar aus einer Verschmelzung dreier kultureller Elemente - des portugiesischen höfischen Gesangs mit afrikanischen Rhythmen und schnellen Indiotänzen. Andere dagegen führen ihren Ursprung auf den afro-brasilianischen Batuque zurück, der nur von Perkussionsinstrumenten ausgeführt wird.
In den 70ern entwickelten sich in den ärmsten Stadtteilen von Salvador da Bahia, Brasilien, Afro Block Trommelgruppen. Bands wie Ile Aye und Olodum gründeten sich als politischer Ausdruck von schwarzem Selbstbewusstsein, als Widerstandsform gegen zunehmenden ökonomischen Ausschluss. Afro Blocks hatten mobilisierende Funktion bei Streiks, Kundgebungen und Demonstrationen. Samba-Bands nehmen auch heute häufig teil an politischen Demonstrationen, wie die Gruppen aus dem weltweiten antikapitalistischen Rhythms of Resistance Netzwerk.
Es existieren verschiedene Samba-Stile:
 | Samba-Enredo spielen die großen Sambaschulen in Rio de Janeiro und São Paulo beim Karneval. Kennzeichen: Laut, schnell, hochgestimmte Instrumente: Surdo, Repinique, Caixa (Snare), Tamborim, Agogo, Chocalho (Shaker), Cavaquinho, Cuica, Maracas, Trillerpfeife
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 | Samba-Batucada wird ähnlich gespielt, wie Samba-Enredo, aber in kleinerer Besetzung
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 | Pagode wird mit kleiner Besetzung gespielt. Typische Instrumente sind Surdo de mão (Tantan, Rebolo, Repique de mão), Pandeiro, Tamborim, Cavaquinho;
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 | Samba Cancão;
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 | Samba-Funk (moderne Richtung, z. B. Funk'n Lata);
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 | Samba de Caboclo ist eine sehr traditionelle Richtung, die auf Atabaques gespielt wird;
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 | Samba de Roda ist ebenfalls eine traditionelle Richtung;
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 | Samba-Reggae entwickelte sich in Salvador da Bahia aus der dortigen Samba-Tradition und Reggae-Einflüssen (z.B. Olodum, Timbalada, Ilê Ayê) und wird meistens nicht mehr zu den Samba-Stilen gerechnet.
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Die bekanntesten Vertreter sind (von links nach rechts): Donga, Ataulfo Alves, Jorge Aragão und Martinho da Vila.
MPB Música Popular Brasileira
Wer sich mit brasilianischen Musik beschäftigt, der wird schnell auf die großen Namen der Música Popular Brasileira - kurz MPB- treffen. Zu bedeutend ist deren Einfluss auf das musikalische und oft auch politische Geschehen des Landes, als dass der (Künstler-) Nachwuchs sie ignorieren könnte oder auch nur wollte. Die MPB (Oberbegriff für die folkloristischen und populären Spielarten der brasilianischen Musik) zeichnet sich durch Klangvielfalt und Formenreichtum aus. In ihr verbanden sich schon früh die traditionellen europäischen Instrumente - Gitarre, Klavier und Flöte - mit den verschiedensten Rhythmusinstrumenten, darunter Triangel, Rassel, Trommel, Tamburin und Cuíca. (Cuícas sind Reibtrommeln, kleine Fässer mit einer Fellmembrane, in deren Mitte sich ein Holzstab befindet. Sie erzeugen einen typischen, quietschenden Ton). Música Popular Brasileira (kurz MPB) nennt man heute die Popmusik aus Brasilien. Die brasilianische Herkunft und die Verbindung zur traditionellen Musik sind dabei wichtige Definitionsmerkmale. MPB ist für die Brasilianer "nossa música", "unsere Musik" und eng mit dem kulturellen und nationalen Selbstverständnis verbunden.
Der Begriff der Música Popular Brasileira kam in den sechziger Jahren auf, als auch der Bossa Nova entstand. Er umfasste das Musikschaffen der eher intellektuellen Musiker, die landesweit bekannt und populär sind.
Seit den dreißiger Jahren verbreitete sich die populäre Musik in Brasilien auch über das Radio und erfreute sich in allen Gesellschaftsschichten wachsender Beliebtheit. Zu den bekanntesten Komponisten jener Zeit zählten Noel Rosa (1910-1937), Lamartine Babo (1904-1963) und Ary Barroso (1903-1963). Carmen Miranda (1909-1955), die bedeutendste Interpretin der Musik Barrosos, gelangte durch ihr Auftreten in einer Reihe von Hollywood-Filmen zu internationalem Ruhm.
Oben (von links nach rechts): Gilberto Gil, Caetano Veloso, Chico Buarque
Unten (von links nach rechts): Marisa Monte, Zizi Possi, Maria Bethânia
Die Tropikalisten der späten sechziger Jahre brachten unter dem Eindruck von Militärdiktatur, Stadtguerillas und Protestbewegungen kritisch-realistische Elemente in die brasilianische Unterhaltungsmusik und gaben ihr neue Impulse durch die Vermischung einheimischer Rhythmen mit den neuesten Entwicklungen der internationalen Popmusik (Rock 'n' Roll, Beatles, Jimi Hendrix u.a.). Vor allem Caetano Veloso, Gilberto Gil und Gal Costa vertraten den Som Livre, Som Universal (den freien, universellen »Sound«) des Tropikalismus und schufen eine neuartige Musik - lyrisch, intelligent, mit schnelleren, variableren Tempi und volleren Rhythmen als der Bossa Nova.
Heute ist die Música Popular Brasileira ungeheuer reich an Stilen, und der Begriff wird stetig weiter ausgedehnt, indem etablierte Künstler der MPB neue, nur regional bekannte Einflüsse und Stile in ihr Repertoire aufnehmen und diese brasilienweit bekanntmachen. Im Gegensatz zu den nur regional bekannten Musikstilen werden die Künstler der Música Popular Brasileira weltweit von großen internationalen Musiklabels vermarktet.
Wichtige Künstler der Música Popular Brasileira sind zum Beispiel: Adriana Calcanhotto, Ary Barroso, Caetano Veloso, Carlinhos Brown, Chico Buarque, Chico Science e Nação Zumbi, Daniela Mercury, Djavan, Gal Costa, Gilberto Gil, Hermeto Pascoal, Jorge Ben, Luiz Gonzaga und Marisa Monte.
Radiosender: MPB FM 90,3 jetzt live. (Am Wochenende wird nicht gesendet!)
"The Kings of Bossa Nova"
Ursprünglich ist „Bossa Nova“ der Name einer Bewegung (port. „neue Welle“), die in den späten 1950er Jahren in Brasilien entstand und dort ihren Höhepunkt bis Ende der 1960er Jahre hatte. In einem sehr modernen gesellschaftlichen Klima wurde in der gebildeten Mittelschicht mit neuen Formen und Ausdrucksweisen in Musik und Film experimentiert.
Den weltweiten Durchbruch erzielte dieser neue Musikstil mit der Verfilmung Orfeu Negro von Marcel Camus (entstanden 1958 bis 1959). Die Orpheus-Sage findet dort vor dem Hintergrund des brasilianischen Karnevals statt. Im Soundtrack kontrastieren eine Mischung aus schnellen Sambarhythmen neben sparsam arrangierten Gitarrenstücken von Luíz Bonfá und Antônio Carlos Jobim.
Aufsehen erregten ab etwa 1958 João Gilberto und Antônio Carlos Jobim mit einer neuen Mischung aus Samba (bzw. dem langsameren Samba Canção) und Cool Jazz. Die Arrangements basierten auf einem oft flüsternden Gesangsstil begleitet von virtuos gespielter Gitarre. Die Instrumentalmusik ähnlichen Stils wird meist Samba-Jazz genannt. Ab dem Militärputsch 1964 wechselte das politisch-gesellschaftliche Klima in Brasilien vollständig. Die Musik veränderte sich, da unter der Zensur Kritik nur noch in doppeldeutigen Texten ausgedrückt werden konnte.
Viele Künstler verließen Brasilien, häufig in die USA. Seitdem beeinflussten sich die Bossa Nova, der dortige Jazz und die sogenannte Black Music sehr stark. Es entstand eine große Zahl neuer Produktionen mit führenden Musikern. Diese Spielart wird häufig als Bossa Nova Jazz bezeichnet.
Beispiele dafür: João Gilberto mit Stan Getz, sowie Sergio Mendes zusammen mit Musikern des A&M Labels. Trotz der Sprachbarriere wurden portugiesischsprachige Stücke wie Mais Que Nada in den USA ein Hit. Die Bossa Nova begann endgültig ihren Siegeszug um die ganze Welt.
Die wichtigsten Musiker des Bossa Nova: Antônio Carlos Jobim, Astrud Gilberto, Baden Powell de Aquino, Carlos Lyra, João Donato, João Gilberto, Luíz Bonfá, Marcos Valle, Nara Leão, Newton Mendonça, Roberto Menescal, Rosa Passos, Sergio Mendes, Vinícius de Moraes.
sowie im Umfeld: Charlie Byrd, Stan Getz, Bebel Gilberto, Kenny Dorham.
Antônio Carlos Jobim
Antônio Carlos Brasileiro de Almeida Jobim, auch Tom Jobim, (* 25. Januar 1927 im Bezirk Tijuca von Rio de Janeiro; † 8. Dezember 1994 in New York) war ein brasilianischer Sänger und Komponist.
Ab den 1960er Jahren gelang Jobim der internationale Durchbruch. Das wichtigste Ereignis war zweifelsfrei das Bossa-Nova-Festival in der Carnegie Hall in New York, das Jobim zusammen mit einer Reihe weiterer brasilianischer Künstler gab. Bossa Nova wurde in Nordamerika populär und Jobim nahm Platten mit Stan Getz und Frank Sinatra auf. Im Jahre 1968 gewann Jobim zusammen mit Chico Buarque das Internationale Musikfestival mit dem Lied Sabiá.
In den 70er Jahren schrieb Jobim die Musik zu zahlreichen Filmen und Fernsehproduktionen. Seine Lieder wurden von Größen wie Ella Fitzgerald oder Elis Regina aufgeführt. Unter den vielen Partnerschaften beim Komponieren und Musizieren, war die mit Vinícius de Moraes die fruchtbarste, aus ihr gingen erfolgreiche Lieder wie Ela é carioca oder auch Garota de Ipanema hervor, das zu den am meisten gespielten Werken der Welt gehört. Aus der Zusammenarbeit mit Dolores Durán entstammt beispielsweise Por causa de você, mit Aluísio de Oliveira entstand Dindi.
Internet: Offizielle Seite mit Biographie, Liedern und Bildern und inoffizielle Seite, die von den Bewunderern Jobims eingerichtet wurde.
João Gilberto
João Gilberto (* 10. Juni 1931 als João Gilberto Prado Pereira de Oliveira in Juazeiro) ist ein brasilianischer Gitarrist, Sänger und Komponist, der neben Antônio Carlos Jobim als Erfinder des Bossa Nova gilt.
Besonders sein 1964 erschienenes Album "Getz/Gilberto", das er mit Antônio Carlos Jobim zusammen komponiert und mit dem Saxophonisten Stan Getz aufgenommen und veröffentlicht hatte, gilt als unumstrittener Meilenstein des Bossa Nova und ist eines der meistverkauften Jazzalben aller Zeiten. Auch Gilbertos Frau Astrud, die Gesang zu dem Album beigetragen hatte, erlangte mit seiner Veröffentlichung große Aufmerksamkeit.
Die Titel "The Girl from Ipanema", "Desafinado" und "Corcovado (Quiet Nights of Quiet Stars)" entwickelten sich schnell zu Standards.
Internet: Offizielle Seite
Vinícius de Moraes
Marcus Vinícius da Cruz de Melo Moraes, kurz Vinícius de Moraes (* 19. Oktober 1913 in Gávea; † 9. Juli 1980 in Rio de Janeiro) war ein brasilianischer Dichter, Gitarrist und Diplomat . Er schrieb viele, vor allem in Südamerika bekannte Werke und Gedichte; unter anderem schrieb er die Vorlage für den Film Orfeo Negro, sowie den Text zu Baden Powell de Aquinos Komposition Berimbau und zu diversen Bossa-Nova-Stücken von Antonio Carlos Jobim. Internet: Offizielle Homepage.
Forró
In den einzelnen Regionen Brasiliens haben sich ganz unterschiedliche Formen der Musik ausgebildet. Sehr beliebt im nordöstlichen Landesteil ist der Forró, in dem sich Akkordeon, Flöte, Gitarre und Schlaginstrumente zu einem Volkstanz verbinden, der von Fußstampfen begleitet wird. (Forró heißt auch das dörfliche Tanzvergnügen im brasilianischen Nordosten.) Ebenfalls aus dem Nordosten stammt der Frevo mit seinen synkopisch-akzentuierten Rhythmen, der wegen der hohen Spagatsprünge eine gute Körperbeherrschung verlangt.
Choro
Ein weiteres für die brasilianische Musik bezeichnendes Musikgenre ist der Choro. Er entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Rio de Janeiro und erfreut sich seither nach wie vor großer Beliebtheit. Die ersten Choros wurden von kleinen Instrumentalensembles, den sogenannten Chorões, dargeboten. Sie bestanden in der Regel aus Blasinstrumenten und Gitarren, die von Musikern mit hohem technischen Können gespielt wurden. Besondere Kennzeichen der Choros sind ihr melodischer Reichtum, ihre rhythmische und harmonische Vielfalt sowie die hochentwickelte Kontrapunktik, mit der die einzelnen Stimmen des Ensembles geführt werden. Diese Besonderheiten veranlassen Kenner, den Choro in die Nähe der Musik des Barock zu rücken. Der Choro hat sich stets auf der Grenze zwischen Unterhaltungs- und Konzertmusik bewegt und hat durch so bekannte Musiker wie Pixinguinha, João Pernambuco und Jacob do Bandolim besondere Geltung erlangt. Komponisten wie Ernesto Nazareth, Radamés Gnattali, Camargo Guarnieri und Heitor Villa-Lobos haben dem Choro in ihren Werken auf Dauer einen Platz in den Konzertsälen gesichert.
